Betrieb & Moderation: der Inbox-Workflow
Das Setup ist schnell erklärt. Spannender ist die Frage, die im Alltag wirklich auftaucht: Wenn das Handy laufend rohe Captures nach inbox/ schreibt, lösche ich die Dateien dann einfach von Hand auf GitHub, oder gibt es einen cleveren Weg?
Kurze Antwort: nicht von Hand. Der saubere Weg ist ein Ingest-Lauf, und zwar write-first.
1. 🧠 Die Kernaussage: Ingest statt manuellem Löschen
Manuell auf GitHub eine inbox/-Datei zu löschen wirft das Wichtigste weg, nämlich den Gedanken, der drinsteckte. Der Capture ist Rohmaterial, nicht Müll. Stattdessen läuft ein strukturierter Ingest (eine der Operationen aus AGENTS.md). Er arbeitet write-first: der Agent schreibt zuerst, ich prüfe danach.
- Lesen und triagieren. Der Agent liest jede Datei in
inbox/und sortiert sie: Müll/Test, unklar, oder echter Inhalt. Bei Bildern: OCR auf das kurze Zitat plus Seitenzahl. - Direkt draften. Echte Captures schreibt der Agent gleich in den lokalen Repo-Stand: eine neue OKF-Seite anlegen oder eine bestehende ergänzen, plus Querverweise (der Graph). Unklares legt er als Entwurf mit einem Hinweis fürs Review an, statt zu raten.
- Aufräumen. Die verarbeitete
inbox/-Datei wird gelöscht, und es gibt einen Eintrag inlog.md. - Review bei mir. Ich schaue das Ergebnis lokal mit
hugo server -Dan und pushe selbst. Das lokale Review vor dem Push ist mein Kontrollpunkt.
Der Unterschied zum manuellen Löschen: Der Gedanke landet als typisierte, verlinkte Notiz im Wissensgraph, statt ersatzlos zu verschwinden. Die Inbox wird geleert, aber das, was drin war, ist jetzt im Brain kompiliert (siehe Konzept).
Wann manuelles Löschen okay ist: nur für echten Müll oder Test-Captures. Alles mit Inhalt geht durch den Ingest.
Eine eiserne Regel dabei: Der Agent pusht nie selbst und setzt public nie selbst. Live wird etwas erst, wenn ich pushe.
2. 🔀 Der Publish-Toggle im Betrieb
Für mich gilt: Ein Push macht eine Seite live im Brain unter private.onlythoughts.io (hinter Login). public: true ist der seltene Extraschritt nur für einzelne Beiträge, die ich offen unter onlythoughts.io teilen will.
- Rein:
public: truesetzen, committen, pushen. Beim nächsten Build erscheint die Seite zusätzlich öffentlich. - Raus:
public: truewieder entfernen (oder auffalse), pushen. Beim nächsten Build ist sie öffentlich wieder weg.
Wichtig zu verstehen: Un-publishing wirkt nur vorwärts. Ich entferne die Seite aus künftigen öffentlichen Builds. Was bereits jemand gesehen, gespeichert oder eine Suchmaschine indexiert hat, hole ich damit nicht zurück. Der Toggle steuert die Sichtbarkeit ab jetzt, nicht die Vergangenheit.
Den Toggle bediene grundsätzlich ich selbst. Details zum Default-deny-Mechanismus stehen im Setup-Post.
3. 🧹 Periodischer Lint-Lauf
Ein Wissensgraph verrottet leise, wenn man ihn nicht pflegt. Darum gibt es ab und zu einen Lint (ebenfalls eine Operation aus AGENTS.md). Er sucht:
- Waisen: Seiten ohne eingehende Links, die im Graph isoliert hängen.
- Widersprüche: Aussagen, die sich gegenseitig oder einer Quelle widersprechen.
- Überholte Aussagen: was durch neuere Quellen überholt ist und markiert oder korrigiert gehört.
- Fehlende Konzeptseiten: referenzierte Begriffe, die noch keine eigene Seite haben.
Der Lint schlägt vor und führt erst nach Freigabe aus. Auch Edits laufen nach dieser Logik: Beim Ändern einer Seite werden ausgehende Links geprüft, eingehende Seiten auf Betroffenheit kontrolliert, und bei Widerspruch zur Quelle wird die ältere Aussage als überholt markiert und die korrigierende Quelle notiert, mit Log-Eintrag.
4. ✅ Zusammengefasst
Die Inbox ist ein Eingang, kein Lager. Captures wandern per write-first-Ingest in den Graph: der Agent draftet lokal, ich reviewe mit hugo server -D und pushe. Nichts ist live, bis ich pushe, und public: true setze nur ich, nur zum Teilen. Der Lint hält den Graph regelmässig sauber. Alle Operationen (Ingest, Edit, Delete, Lint) sind in AGENTS.md festgehalten, damit der Betrieb reproduzierbar bleibt.
📚 Weiterführende Links & Quellen
- So ist mein Second Brain aufgesetzt (die Architektur dahinter)
- Das Konzept: LLM-Wiki trifft OKF (warum «kompiliert» statt nur gesammelt wird)
- Buch: Getting Things Done von David Allen (der Inbox-Gedanke: ein Eingang ist kein Lager)
- Pro Git (kostenloses Buch, deutsch) (Git als Versions- und Rückgängig-Sicherheitsnetz)