OSINT-Werkzeuge: Ökosystem-Überblick

Diese Notiz sortiert das OSINT-Werkzeug-Ökosystem nach Einsatzzweck, damit man beim Aufbau eines Lab-Setups (etwa auf einem Debian-Server) den Überblick behält. Die konzeptionelle Grundlage steht in OSINT: Passive vs. Active Reconnaissance und OPSEC; hier geht es um die konkreten Tools. Es ist ein Kompilat aus mehreren Captures, bewusst als Referenz-Index gehalten, nicht als Anleitung.

⚠️ Dual-Use und «bitte prüfen»: Ein Teil dieser Werkzeuge zielt auf Infrastruktur (Angriffsflächen-Analyse der eigenen Organisation, ein legitimer Blue-Team-Zweck). Ein anderer Teil zielt auf Personen (Gesichtssuche, Leak-Daten, Standortbestimmung, Telefon-Profiling). Diese Kategorien sind unten markiert. Ihr Einsatz gegen Privatpersonen ohne Rechtsgrundlage kann Persönlichkeits-, Datenschutz- oder Strafrecht verletzen. Dave, bei diesen Abschnitten bitte selbst entscheiden, ob und wie du sie im Brain behalten willst.

1. 🌐 Infrastruktur & Passive Reconnaissance

Aufspüren von Serverstrukturen, Subdomains, autonomen Systemen und Schatten-IT, überwiegend passiv (siehe Grundkonzepte).

ToolKurz
OWASP AmassIndustriestandard fürs Attack Surface Mapping (passive/aktive DNS-Abfragen)
Subfinderschnelle Go-basierte, passive Subdomain-Enumeration über APIs
theHarvestersammelt Mails, Subdomains, IPs aus über 30 Quellen
Recon-ngmodulares CLI-Framework im Metasploit-Stil für strukturierte Recherche
MassDNS / PureDNShochperformante DNS-Resolver bzw. Bruteforcing mit Wildcard-Erkennung
DNSDumpstervisualisiert DNS-Abhängigkeiten als Graph
AsnLookup / BGPView / bgp.toolsIP-Bereiche und Routen über ASN und BGP zuordnen
CRT.shdurchsucht Certificate-Transparency-Logs nach neuen Subdomains
CloudBrute / S3Scannerfinden fehlkonfigurierte Cloud-Buckets (AWS, Azure, GCP)
TruffleHog / GitGuardian / GitHounddurchsuchen Git-Repos nach versehentlich committeten Secrets

2. 🛰️ Internet-Wide Scanners & IoT-Engines

Datenbanken, die permanent das gesamte IPv4/IPv6-Internet scannen und offene Ports sowie Gerätemetadaten indexieren.

  • Shodan: der Klassiker für vernetzte Hardware, SCADA-Systeme und IoT.
  • Censys: Fokus auf TLS/SSL-Zertifikate und Cloud-Assets, stark beim Aufspüren von Schatten-IT.
  • ZoomEye: chinesische Alternative, indexiert intensiv asiatische IP-Räume.
  • Onyphe / Netlas.io: Cyber-Defense-Suchmaschinen mit API-Zugriff auf IP-, DNS-, WHOIS- und SSL-Scans.
  • Criminal IP: bewertet IP-Reputation und Phishing-Historie in Echtzeit.
  • FoFA: asiatische Suchmaschine, spezialisiert auf das Auffinden spezifischer Web-Frameworks.
  • Greynoise: filtert das Hintergrundrauschen des Internets, trennt harmlose Scanner von gezielten Angriffen.

3. 👤 Identity, E-Mail & Phone Intelligence (personenbezogen)

Ab hier zielen die Tools auf Personen. Dual-Use-Hinweis oben beachten.

  • Sherlock / Maigret / WhatsMyName: prüfen einen Benutzernamen parallel auf hunderten Plattformen. Maigret verfolgt gefundene Profile rekursiv weiter.
  • GHunt / Epieos: extrahieren aus einer Google-Mail verknüpfte öffentliche Daten (Profil, Maps-Beiträge). «Stille», also passiv gegenüber der Zielperson.
  • Holehe: prüft über «Passwort vergessen»-Schnittstellen diskret, ob eine E-Mail auf einer Plattform registriert ist.
  • PhoneInfoga / Ignorant: Telefonnummern-OSINT: Provider, grobe Region, verknüpfte Messenger.
  • SocialScan / OSINT Industries: prüfen E-Mail/Username-Verfügbarkeit bzw. aggregieren Datenpunkte.

4. 🔓 Breach Data & Grey-Hat Intelligence (heikel, bitte prüfen)

Rechtlich und ethisch der heikelste Block. Hier geht es um gestohlene Zugangsdaten aus Datenlecks. HIBP ist die saubere Variante; die kommerziellen/«grey-hat» Dienste geben teils Klartext-Passwörter aus. Für die Verteidigung relevant ist nur die Frage «taucht meine Adresse in einem Leak auf». Alles darüber hinaus ist mit Vorsicht zu behandeln.

  • Have I Been Pwned (HIBP): legal und sauber: zeigt ob eine Adresse in einem Leak war, ohne Passwörter auszugeben. Der defensiv sinnvolle Einstieg.
  • DeHashed / IntelX / LeakCheck: kommerzielle Breach-Suchmaschinen (deutlich heikler).
  • h8mail: CLI-Tool, das lokale Dumps und Breach-APIs abfragt.

5. 🖼️ IMINT & GEOINT: Bild- und Geo-Forensik (personenbezogen, bitte prüfen)

Enthält Gesichtssuche und Standortbestimmung. Gegen Privatpersonen besonders sensibel.

  • ExifTool: liest Metadaten (GPS, Kamera, Zeit) aus Bildern und Dokumenten. Der harmlose, technische Klassiker.
  • FOCA: lädt Dokumente einer Domain und extrahiert deren versteckte Metadaten.
  • PimEyes / FaceCheck.id / Lenso.ai: Gesichtssuchmaschinen. Heikel, weil sie eine Person anhand eines Fotos im ganzen Web wiederfinden.
  • Yandex / Bing Visual Search: Objekt- und Ortserkennung, in Europa/Asien oft treffsicherer als Google Lens.
  • SunCalc / ShadowCalculator: bestimmen Zeit/Ort über den Sonnenstand und Schattenwurf auf einem Foto.
  • Wigle.net: Datenbank für WLAN-Netzwerke: verortet einen Router über seine MAC-Adresse (BSSID). Heikel wegen Standortbezug.
  • OpenStreetMap / Overpass Turbo: komplexe geografische Abfragen (nützlich und unbedenklich).

All-in-One-Lösungen, die Datenpunkte sammeln, korrelieren und visuell verknüpfen.

  • Maltego: der Standard für visuelle Link-Analyse: Entities (IPs, Personen, Firmen) werden über «Transforms» zu einem interaktiven Graphen vernetzt.
  • SpiderFoot: Automatisierungs-Engine mit über 200 Modulen. Arbeitet event-getrieben: ein Input-Event (etwa eine Domain) triggert alle passenden Module, ein gefundenes Ergebnis (etwa eine IP) triggert die nächste Runde. Das ist Event-Driven Architecture in Reinform.
  • Recon-ng: CLI-Framework für strukturiertes Vorgehen (Sammeln, Validieren, Berichten).
  • CyberChef: das «Schweizer Taschenmesser» (vom GCHQ) zum Codieren, Decodieren, Hashen und Parsen von Datenströmen.
  • Osmedeus / Reconftw: verketten Dutzende CLI-Tools zu automatischen Recon-Pipelines.
  • Gephi: Visualisierung und Analyse grosser Netzwerk-Graphen.

7. 🧅 Dark-Web-Crawler & Archivierung

Spezialwerkzeuge fürs Tor-Netzwerk und die beweissichere Archivierung.

  • Ahmia.fi: Open-Source-Suchmaschine fürs Tor-Netzwerk, filtert Onion-Dienste.
  • OnionScan: prüft .onion-Seiten auf OPSEC-Fehler (etwa geleakte Server-Header oder EXIF-Daten).
  • Katana / Photon: Web-Crawler, die tiefe Link-Strukturen bzw. URLs, Mails und Keys systematisch extrahieren.
  • ArchiveBox / SingleFile: spiegeln Webinhalte originalgetreu und unveränderlich als Beweismittel.

8. ✈️ Real-Time Tracking & Transport

Echtzeit über offene Funk- und Transponderdaten.

  • ADS-B Exchange / FlightAware: Flugtracking über rohe Transponderdaten, zeigt teils auch Militär- und Regierungsmaschinen.
  • MarineTraffic / VesselFinder: Schiffstracking über AIS.
  • Satellites.pro / EO Browser: Zugriff auf tagesaktuelle Satellitenbilder.

9. 🐳 Betrieb im Lab (Deployment-Muster)

Aus den Captures ergibt sich ein einfaches Betriebsmuster für ein Debian-Lab, ohne dass hier konkrete Angriffs-Kommandos nötig sind:

  • On-Demand-Container für Tools, die einmalig laufen und dann terminieren (Ergebnisse werden ins Host-Dateisystem persistiert).
  • Dauerhafte Web-Services (via docker-compose) für Frameworks mit Weboberfläche wie SpiderFoot.
  • Isolierte Arbeitsumgebung über einen containerisierten Virtual Desktop (Kasm/Trace-Labs-Image), Zugriff verschlüsselt über HTTPS im Browser. Das setzt die OPSEC-Regel «getrennte, flüchtige Umgebung» aus den Grundkonzepten praktisch um.